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Vision der Website

Status (2026-08-27): bindend. Ziele, Leitprinzipien und Nicht-Ziele stehen fest; die eingebettete Open-Core-Notiz zu Ziel 7 gilt unverändert (technisch verschärft mit PR #254). Am 2026-08-27 ohne neue Entscheidung nachgezogen: das Schriftfamilien-Leitprinzip spiegelt jetzt den Sütterlin-first-Pivot vom 2026-06-12 (mvp-roadmap.md), das Offene-Daten-Leitprinzip trägt den Ziel-7-Vorbehalt selbst, und Ziel 6 nennt die Eigenhand-Erfassung als ersten realen Zubringer. Der Umsetzungsstand gehört nicht hierher — Reihenfolge in architektur.md §10, Stand in mvp-roadmap.md.

Begleitdokument zu architektur.md und naming-und-setup.md. Hält fest, was die Endnutzer-Website unter kurrentschrift.ink sein soll — getrennt vom Wie (Architektur) und vom Wann (MVP-Roadmap).


Pitch (für Landing-Page-Aufmacher)

Drei Dinge an einem Ort, die es heute nirgends in Kombination gibt:

  • Duktus-treues Rendering mit Schwellzug — Hand-Synthese statt Font, mit Schreibreihenfolge und druckabhängiger Strichstärke.
  • Stil-Analyse der eigenen Schrift — Statistik über Schräglage, Schwellzug, Glyph-Verteilung statt Bauchgefühl.
  • Inhaltsbewusste Übungsblätter — beliebiger Text mit passender Lineatur in einem Schritt.

Die etablierten Angebote (Alphabet-Tafeln, PDF-Übungsblätter, Font-Generatoren, HTR-Dienste) decken jeweils einen Teil ab. kurrentschrift.ink bringt sie zusammen und ergänzt sie um die Synthese in echter Hand.


Zielgruppe

Gruppe Was sie sucht
Deutschsprachige Lernende Kurrent zum Selber-Schreiben (Tagebuch, Korrespondenz, Kunst); klarer Einstieg ohne Lehrbuch-Schwere.
Englischsprachige Genealog:innen Lese-Hilfe für Familiendokumente; verstehen, warum etwas verwirrend ist, nicht nur was dasteht.
Forschende / Paläografie-affine Offene Daten, zitierbare kanonische Glyphen, API für eigene Experimente.

Reihenfolge ist nicht zufällig: die deutschsprachigen Lernenden sind die Primärzielgruppe für Inhalte, die Genealogie-Zielgruppe für Lese-Hilfen, die Forschungs-Zielgruppe für Daten und API. Alle drei teilen denselben Kern (siehe architektur.md §1).


Leitprinzipien

  • Werkzeug statt Lehrbuch. Die Seite ist das interaktive Pendant zur vorhandenen Lehrbuch-Landschaft, nicht ihr Ersatz. Tiefe gibt's in den verlinkten Quellen.
  • Synthese statt Font. Schwellzug, Schreibreihenfolge und Allographen sind Erstklassen-Bürger, nicht eine Glyphe pro Codepoint (siehe architektur.md §2/§5).
  • Offene Daten — als Ziel, unter Open-Core-Vorbehalt. Kanonische Glyph-Daten unter zitierfähiger Lizenz bleiben das Ziel (Ziel 7); bis zu dieser bewussten Veröffentlichung bleibt der gelernte Datensatz vorbehalten — siehe die Status-Notiz in Ziel 7 und quellen-und-rechte.md §5.
  • Drei Schriftfamilien zum Start. Die drei für den Start relevantesten Familien sind Kurrent (die ältere Norm, Projekt- Baseline), Sütterlin (aufrecht, gleichmäßige Strichstärke) und die Offenbacher Schrift (Breitfeder, winkelabhängiger Strichkontrast). Sie teilen denselben Render-Kern und Kanon — eine Familie ist im Kern ein Varianten-Auswahlvektor + Width-Profile-Resolver über demselben Apparat (architektur.md §5/§10), kein eigenes Modell. Validiert wird der Kern seit dem Sütterlin-first-Pivot (Status 2026-06-12 in mvp-roadmap.md) zuerst an der Sütterlin-Vorlage von 1922 — Gleichzug und aufrechte Formen vereinfachen Kreuzungsauflösung und Renderpfad; Kurrent (Loth 1866, weiterhin die geometrische Projekt-Baseline) ist bis dahin geparkt, die Offenbacher folgt danach (Scope-Herleitung: naming-und-setup.md §1).
  • Zweisprachig. Deutscher Kern zuerst (sprachregelung.md §1), englische Erweiterung folgt — die Genealogie-Zielgruppe ist überwiegend englischsprachig (naming-und-setup.md §1).
  • Synthese ist als solche erkennbar. Eine in unserer Hand gerenderte Seite wird nie als historisches Original ausgegeben: explizite Kennzeichnung (Wasserzeichen, Metadaten). Wir simulieren Schrift, nicht Provenienz.

Was die Seite leistet (Ziele)

Schreiben

  1. Einstieg in wenigen Minuten. Geschichte in zwei Sätzen, Alphabet-Tafel, die wichtigsten Lese- und Schreibregeln (Rund-s, Ligaturen, Mischschrift, ältere Buchstabenformen — siehe orthographie-regeln.md). Für Tiefe: Literatur- und Quellverweise, kein eigenes Lehrbuch.

  2. Schreiben üben. Generierte Vorlagenblätter mit einstellbarer Lineatur — Verhältnis Ober-/Mittel-/Unterband frei wählbar (2:1:2 als Standard, 2:3:2, 1:1:1 oder was man je nach Lernstand und Stift braucht), beliebiger Eingabetext als Vorlage, druckbar. Schwerpunkt: inhaltsbewusste Vorlagen — Text und passende Lineatur in einem Schritt.

  3. Buchstaben in Aktion (animierte Tafel). Jeder Buchstabe lässt sich animiert abspielen — Schreibreihenfolge, Ansatzpunkte, Schwellzug-Aufbau live, für jede trainierte Hand (heute die Sütterlin-Vorlage von 1922; dazu künftig Loth 1866, die eigene Probe, weitere historische Quellen). Direkter Effekt des Duktus-Priors (architektur.md §2): Synthese liefert nicht nur das fertige Bild, sondern auch wie es entsteht. Ligaturen (ch, ck, ſt, tz, qu, ß) als eigene Animationen.

Lesen

  1. Lesen üben. Beliebiger heutiger Text — eine Zeitungsmeldung, ein eigenes Memo — gerendert in einer trainierten Kurrent-Hand, damit Üben nicht am Nachschub historischer Beispiele scheitert.

    Lern-/Quiz-Modus. Gamifiziertes Lesetraining: ein Buchstabe wird gezeigt — idealerweise animiert geschrieben (Feature 3: Schreibreihenfolge sichtbar, nicht nur das fertige Bild) — und die Lernende rät, welcher Buchstabe es ist. Falsche Antworten lösen die strukturierte Erklärung aus dem Orthographie-Regelwerk aus (wie die Lese-Lupe in Feature 5: „das ist medial ſ, kein f — der Querstrich fehlt"). Ausbaustufe: ganze Wörter statt Einzelbuchstaben (etwa die MVP-Wörter lesen, das), animiert geschrieben und zu erraten bzw. zu transkribieren — vom Buchstaben- zum Wort- und Satzlesen. Baut vollständig auf vorhandenen Primitiven auf (Render-Kern + Animation aus Feature 3, Regeln aus orthographie-regeln.md) und verlangt keine neue Synthese.

  2. Lese-Hilfe für historische Texte. Transkription über bestehende HTR-Modelle (Transkribus & Co. — architektur.md §1). Kein eigenes Forschungsfeld, aber motivierender Sofort-Nutzen und Einstieg für die Genealogie-Zielgruppe. Erweitert um eine Lese-Lupe: Bild plus Overlay; Klick auf einen verwirrenden Buchstaben → strukturierte Erklärung („das ist medial ſ, kein f — hier fehlt der Querstrich") aus orthographie-regeln.md.

Forschung

  1. Eigene Schrift analysieren. Handschriftliche Probe hochladen, Statistik zurückbekommen: Glyphen-Verteilung, Übergangswinkel, Schräglagen-Verteilung, Schwellzug-Profile. Der erste reale Zubringer zu dieser Statistik ist die interne Eigenhand-Erfassung des Autors (gedruckte Bögen, Streifen, Siebung — ../proposals/eigenhand-erfassung.md); der offene Upload-Weg für Nutzende bleibt das Ziel dieses Punkts. Drei Anschluss-Pfade:

    • Optimieren — wo weicht die eigene Hand stark von der Norm ab? Wo ist sie inkonsistent? Konkretes statt allgemeines Feedback.
    • Neuer Stil als Basis — aus genug eigenen Proben einen Hand-Stil extrahieren und damit weitere Texte synthetisieren. „In meiner Hand, aber jeden Text."
    • Hände vergleichen — sobald mehrere Stile vorliegen, Side-by-side-Vergleich (Loth 1866 vs. eigene Probe vs. historische Quelle X) mit Heatmaps für Schräglage, Schwellzug, Glyph-Frequenz. Kombiniert mit Feature 3 lassen sich Animationen derselben Glyphe in mehreren Händen direkt nebeneinander abspielen.
  2. Offene Datensätze. Kanonische Glyph-Daten (Anker, Schwellzug, Duktus-Reihenfolge) als zitierbares Open-Data-Paket für die Forschungs-Zielgruppe. Heute nirgends öffentlich verfügbar; passt zur MIT-Code-Linie und zur PD-Datenlinie (quellen-und-rechte.md).

    Status (Open-Core, Stand 2026-06): Zurückgestellt. Das Projekt läuft aktuell Open-Core — der Code ist MIT, aber der gelernte Datensatz (kuratierte Glyph-Vorlagen, Duktus, Schrift-Statistik) und die daraus trainierten Lese-Modelle zur Buchstabenerkennung bleiben vorbehalten (nicht Teil von MIT, Nachnutzung nach Rücksprache). Eine offene Veröffentlichung ist ein mögliches späteres Ziel, kein aktuelles.


Was die Seite nicht ist (Nicht-Ziele)

  • Kein umfassendes Lehrbuch. Wer Tiefe sucht, bekommt verlinkte Quellen. Inhalt der Seite endet bei dem, was zum sinnvollen Einstieg und Üben nötig ist.
  • Kein TrueType-Font-Generator. Für statische Font-Ausgabe gibt es etablierte kostenlose Dienste; unser Fokus ist duktus-treues Rendering mit Schwellzug (architektur.md §2/§5) — eine andere Aufgabe.
  • Keine Datenbank historischer Korrespondenz / kein Archiv. Fokus ist Schrift, nicht Inhalt.
  • Kein Forum / Community-Hub. Diskussion findet gut in bestehenden Foren (CompGen, ahnenforschung.net) und auf GitHub statt.
  • Keine Bezahl-Transkription auf Auftrag. Wer eine fachliche Entzifferung historischer Dokumente braucht, ist bei spezialisierten Diensten wie entzifferer.de oder metascriptum.de richtig aufgehoben.

Verhältnis zur bestehenden Landschaft

Es gibt eine lebendige Landschaft an Angeboten rund um die Kurrent. Diese Seite ersetzt sie nicht — sie schließt die offene Stelle: die Kombination aus duktus-treuer Synthese, Stil-Analyse und inhaltsbewusster Übung im selben Werkzeug.

Kategorie Beispiele Was diese Seite ergänzt
Lern-Seiten kurrentschrift.net, suetterlinschrift.de, suetterlinstube.de Mobil/Tablet-Bedienung und dynamisches Rendering zusätzlich zu statischen Inhalten
Schrift-Generatoren ahnenforschung-ledermann, fontmeme Hand-Synthese mit Schwellzug als Ergänzung zur Font-Ausgabe
Lineatur-Generatoren paper.click, frickelmeister Inhaltsbewusste Vorlagen (Text + passende Lineatur in einem Schritt)
HTR Transkribus Schreib-Synthese als Pendant zur Lese-Hilfe
Foren CompGen, ahnenforschung.net (eigene Domäne — kein Anspruch hier)

Die Dreierkombination — Tinte statt Font, Statistik statt Bauchgefühl, Lineatur passend zum Text — gibt es heute nirgends. Genau dort setzt diese Seite an.


Verhältnis zu anderen Docs

  • architektur.md — das Wie der Synthese-Pipeline.
  • style-guide.md — das Wie es aussieht: visuelle Identität (Papier & Tinte), Tokens, Typografie.
  • mvp-roadmap.md — der MVP validiert nur die Synthese-Pipeline (vier Validierungs-Gates inkl. abgespeckter Animation). Die hier beschriebene Website liegt überwiegend nach dem MVP — der Lineatur-Generator (/schreiben, Teil von Punkt 2, noch ohne inhaltsbewusste Synthese) und das Lese-Quiz (Buchstaben + ganze Wörter, Grundform von Punkt 4) sind aber bereits live — und ist in architektur.md §10 als Fünf-Phasen-Plan sequenziert: P1 Lese-Hilfe (Punkt 5) → P2 Lineatur/Print (Punkt 2) → P3 Stil-Analyse (Punkt 6) → P4 Hände-Vergleich (Anwendung von Punkt 6, sobald mehrere Stile vorliegen) → P5 Open-Data (Punkt 7). Animation (Punkt 3) und Frontend/i18n (siehe Leitprinzipien — Zweisprachig) laufen als Querschnitt parallel zur ersten Phase.
  • naming-und-setup.md — Reichweite (gotische Kursive vor 1900, optional Skandinavien), Lizenz (MIT), Domain (kurrentschrift.ink).
  • reference/sprachregelung.md — Website v1 deutsch; englische Erweiterung folgt (siehe Leitprinzipien).
  • schriftkunde/orthographie-regeln.md — Inhalts-Grundlage für Feature 1 (Einstieg) und Feature 5 (Lese-Lupe).